Vernisáž: Erich Mendelsohn. Dynamika a funkce. Vize kosmopolitního architekta

21. 5. 2009 / Kabinet architektury – Dům umění, Moravská Ostrava (GVUO)

 

Úvodní řeč – ITA HEINZE-GREENBERG:

Eröffnung der Ausstellung Erich Mendelsohn / im Dum Umeni, Ostrava, 21. Mai, 2009

Vielen herzlichen Dank für die Ehre, die Mendelsohn-Ausstellung eröffnen zu dürfen. Es ist mir eine ganz besondere Freude, dies in diesem wunderbaren Kunstmuseum zu tun. Ich darf Ihnen zunächst die Grüße des Instituts für Auslandsbeziehungen in Stuttgart überbringen und alle guten Wünsche von Erich Mendelsohns Enkeltochter, Daria Joseph, aus San Francisco.

Bevor ich ein paar Worte über Mendelsohn sage, möchte ich all jenen danken, die sich für die Ausstellung in Ostrava eingesetzt haben, insbesondere dem Direktor dieses wunderbaren Hauses, Siri Suza, dafür, dass er sich der Idee öffnete, seine Hausherrin, die dämonische Judith, mit dynamischer Architektur zu konfrontieren, einen seiner größten Räume zur Verfügung zu stellen und alle notwendigen organisatorischen Maßnahmen zu veranlassen.

Desweiteren ein ganz besonders herzliches Dankeschön den beiden Spok-Organisatoren, Jaroslav Nemec und Tadeas Goryczka, für ihren enthusiastischen Einsatz. Nicht genug, dass sie den entscheidenden Anstoß gaben, Mendelsohn nach Ostrava zu bringen sowie Planung und Aufbau der Exponate hier im Haus zu übernehmen, sie komplettierten den in deutscher und englischer Sprache vorliegenden Ausstellungskatalog mit einer eigenen tschechischen Publikation, die einen wertvollen Beitrag zur internationalen Mendelsohn-Forschung darstellen dürfte, insbesondere hinsichtlich des bislang noch nicht genügend erforschten Geschäftshauses Bachner, zu dem Martin Strakos einen wichtigen Artikel beisteuerte. Erlauben Sie mir, mein ganz persönliches Dankeschön an diese drei Herren auszusprechen, die mir während einiger Rundgänge durch Ostrava die Augen für diese Stadt öffneten, deren Qualitäten und Potential sich dem Besucher auf den zweiten Blick und dann um so klarer offenbaren.

Vielen Dank auch an das Goethe Institut Prag, seinen Direktor Herrn Dr. Blömeke, sowie an Frau Konecna für die hervorragende Betreuung und Vermittlungsarbeit.

Ein paar Worte zur Ausstellung selbst: Sie wurde konzipiert und zusammengestellt von Regina Stephan, einer engagierten Mendelsohn-Forscherin in Deutschland, derzeit Professorin für Architekturgeschichte an der Fachhochschule Mainz. Die wunderbaren Modelle, zweifellos das attraktive Kernstück dieser Ausstellung, wurden seinerzeit von ihren Studenten an der Technischen Hochschule Stuttgart gebaut. Die Ausstellung wurde als Wanderausstellung unter der Schirmherrschaft des Ifa – Institut für Auslandsbeziehungen – entworfen und tourt seit 10 Jahren durch die Welt: von Amsterdam nach Tel Aviv, von Berkeley nach Warschau, von Kaliningrad nach Berlin, von Manchester nach Oslo, von Tallinn nach Ostrava – um nur einige wenige Stationen zu nennen. Von hier aus wird sie nach Eriwan gehen.

Ostrava gehört zu den besonderen Stationen der Ausstellung, da dieser Standort sozusagen über ein 1:1 Modell verfügt: das Geschäftshaus Bachner in der Innenstadt, Ecke Schlossgasse / Puchmaierstraße (heute: ) Es ist das letzte ausgeführte Projekt des Berliner Mendelsohn-Büros, welches mit dem berühmten Einsteinturm seine erfolgreiche Arbeit aufgenommen hatte. Ein Architekturbüro, von dem es heißt, dass es das größte im Deutschland der Zwanziger Jahre war. In besonders auftragsintensiven Zeiten waren bis zu 40 Mitarbeiter angestellt. Aufträge bekam das Berliner Büro aus dem In- und Ausland: aus ganz Deutschland, aus Palästina, Spanien, der Sowjetunion, Norwegen und eben der Tschecheslowakei.

Der Auftrag für das Kaufhaus Bachner dürfte – wie Regina Stephan in ihrer Dissertation über die Geschäftsbauten Mendelsohns vermutet – auf eine persönliche Bekanntschaft zwischen dem Architekten und dem Bauherrn Ernst Bachner, zurückgehen. Beide lernten sich im Schweizer Winterkurort St. Moritz kennen. Hotel Chantarella Winterferien 1931/32 – das dürften die Ausgangskoordinaten für dieses Projekt sein. In erholsamer lockerer Atmosphäre – bei einem Glas exzellenten Weines oder bei einem Spaziergang durch den verschneiten Winterwald – dürfte Bachner schnell durch Mendelsohns Eloquenz, sein fundiertes Fachwissen und seine umfassende Erfahrung in Sachen Geschäftsbauten überzeugt gewesen sein, hier den richtigen Architekten für seinen geplanten Um- und Erweiterungsbau vor sich zu haben.

Die Liste der Kaufhäuser, die Mendelsohn während seiner knapp vierzehnjährigen Tätigkeit in Deutschland realisierte, ist lang: Angefangen beim Seidenhaus Weichmann in Gleiwitz, dem Pelzhaus Herpich in Berlin, über die drei Warenhäuser für Salman Schocken in Nürnberg, Stuttgart, Chemnitz und das Kaufhaus Cohen & Epstein in Duisburg bis hin zu den Geschäftsbauten Petersdorff in Breslau und Dobloug Garden in Oslo – allesamt imposante Beispiele einer beredten und werbeträchtigen Warenhausarchitektur.

Seine Leitgedanken über „Das neuzeitliche Geschäftshaus“ hatte Mendelsohn 1929 in einem Vortrag formuliert – ohne jeden Schnick-schnack, geradeheraus, funktional und ökonomisch:

Der Sinn eines jeden Geschäftes ist die Ware, d.h. ihr möglichst rascher und nutzbringender Umsatz. Die Ware ist das Primäre, d.h.der Notwendigkeit ihrer eindrucksvollsten Anpreisung dienen alle kaufmännischen und baulichen Maßnahmen.“

Diese Allianz muss auch Bachner zusagt haben.

Die ersten Entwürfe für das Kaufhaus Bachner wurden im Februar 1932 gezeichnet und im Juli fixiert. Die von der örtlichen Baukommission genehmigten Pläne wurden im Frühjahr 1933 noch einmal überarbeitet. Baubeginn war nach erneuter Baugenehmigung im Sommer 1933. Nach überraschend kurzer Bauzeit konnte der Stahlskelettbau bereits im Oktober 1933 vollendet werden.

Die im Stadtarchiv Ostrava befindlichen Pläne tragen den Stempel von Mendelsohns Berliner Büro. Die zweite überarbeitete Version vom Sommer 1933 ist von seinem langjährigen, engsten Mitarbeiter Hannes Schreiner unterzeichnet. Der Bau darf als überzeugende Weiterführung des mendelsohnschen Formenkanons gewertet werden, der in den letzten von Berlin aus konzipierten Projekten eine zunehmende Versachlichung erfuhr.

Die Planungs- und Bauzeit des Geschäftshauses Bachner zwischen Februar 1932 und Oktober 1933 trifft zusammen mit einer Phase in Mendelsohns Biografie, die von äußersten Unsicherheiten und Turbulenzen gekennzeichnet ist. Erst Ende 1930 war die Familie Mendelsohn in das selbst entworfene Wohnhaus Am Rupenhorn gezogen. Seit 1931 trug sich Mendelsohn mit Plänen einer Mittelmeerakademie an der Cote d’Azur, weil ihm Deutschland immer ungeheurer wurde. Und doch: noch im Oktober 1932 zog ermit seinem Büro in die 9. Etage des größten und modernsten Berliner Hochhauses, dem von ihm geplanten und ausgeführten Columbushaus am Potsdamer Platz.

Als Hannes Schreiner die Pläne des Kaufhauses Bachner im Frühjahr 1933 einer Überarbeitung unterzog, hatte Mendelsohn mit seiner Frau Deutschland bereits den Rücken zugekehrt und war in Amsterdam bei Freunden untergekommen. Bei Nacht und Nebel war er am 31. März 1933 abgereist, im Koffer nur das Allernötigste und in der Westentasche den Zeichenstift. Den zog er heraus, als ein Bekannter am Amsterdamer Bahnhof freudig auf ihn zukam und fragte: „Ja, Mendelsohn, was machen Sie denn hier?“ „Ich habe gerade mein Büro nach Amsterdam verlegt“ war seine Antwort.

Als man in Ostrava im Herbst 1933 das Kaufhaus Bachner einweihte, war Mendelsohn schon nach England weitergewandert. In Liverpool hielt er damals einen Vortrag „Own Work“, den er mit dem Satz begann „Building is Happiness“ – Bauen ist Glückseligkeit.

Was er damit meinte, können Sie, liebes Publikum nun anhand der Zeichnungen, Fotos und Modelle in der Ausstellung nachvollziehen.

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